Maritime mobile

Bojenfeld in einer Bucht auf Dugi Otok in Kroatien. Unser Boot ist das dritte von links oder rechts

Im Zuge eines Segeltörns in Kroatien (Reiseberichte gibt es unter anderem hier und hier) haben wir am 16. Juni 2015 bei einem Bojenfeld in einer Bucht auf der Insel Dugi Otok im Naturpark Telašćica das Kurzwellen-Equipment ausgepackt und in Betrieb genommen.

Co-Skipper Florian (links im Bild) hat sich aufgrund des starken Winds einen Poncho ausgebort und zieht ebenso stilsicher wie todesmutig mit OM Bernd OE1IHB den Langdraht auf den Mast.

Als Antenne hat ein etwa 22 Meter langer Funkdraht gedient, den ich beim Amateurfunkflohmarkt in Altlengbach im Vorjahr von einem mit Carmouflage bekleideten Ungarn erworben habe. Auf der Haspel waren etwa 40m Draht, wir haben ihn also bereits gekürzt. Die Langdrahtantenne haben wir endgespeist über einen MTFT Magnetic Balun (eigentlich: Unun) mit dem automatischen Antennentuner MFJ 993B verbunden. Das andere Ende haben wir auf dem 17m hohen Mast raufgezogen und somit den Draht eher vertikal montiert.

Als Transceiver hat sich wieder mein Yaesu FT857 für die portable Nutzung bewährt.

IMG_4058
Stromverteiler und Multimeter („sicher ist sicher“)

Zur Stromversorgung hat unser Skipper OM Florian OE3FDS die 12V Bordspannung von einer der beiden 110Ah-Bordbatterien genutzt und mit KFZ-Starterkabel mit meiner 12V-Vielfachverteilerleiste (bis 20A Belastbarkeit) verbunden. Von dort aus konnten wir die aktiven Geräte praktisch über Bananenstecker bzw. Kabelschuhe anschließen.

Damit die Konstruktion nicht verrutscht und die Sachen durcheinander fliegen, wird alles noch großzügig mit Duct Tape befestigt. Das schaut zwar nicht gut aus, hält aber super.

Konkret haben wir also folgendes Setup verwendet:

  • Antenne: Langdraht, ca. 22m endgespeist
  • Balun/Unun: MTFT Magnetic Balun 1:9
  • Tuner: MFJ 993B
  • Transceiver: Yaesu FT857
  • Stromversorgung: direkt von 12V Bordbatterie per KFZ-Starterkabel und 12V-Vielfachverteilleiste
  • genutzte HF-Leistung: max. 35W, normalerweise ca. 20-25W
  • unser Locator: JN73nv98
Skipper Florian OE3FDS (9A/OE3FDS/mm) macht es sich im Hintergrund gemütlich und lauscht...
Skipper Florian OE3FDS (9A/OE3FDS/mm) macht es sich im Hintergrund gemütlich und lauscht…

Und schon kann’s losgehen: wir hören auf 40m die ersten Stationen. Ich probiere auch andere Bänder und stelle fest, dass um ca. 16:30 Lokalzeit am besten die Stationen auf 15m und 20m zu hören sind. Also beantworte ich die ersten CQ-Rufe mit meinem „Maritime Mobile-Call“ 9A/OE1SCS/mm und komme auch sofort durch. Wir arbeiten ein paar Stationen aus Griechenland, Italien, der Ukraine und zu meiner Freude erreichen wir als Premiere für mich Kuwait, das sind immerhin fast 3.300km Luftlinie!

IMG_4097
9A/OE1SCS/mm

Ich finde es immer wieder interessant, welche Abweichungen manche OMs und YLs zum vorgeschriebenen Funkalphabet finden. Ich bin es ja schon gewohnt, dass man beispielsweise bei Rufzeichen mit „RG“ oft „Radio Germany“ statt „Romeo Golf“ hört. Falls mein Gesprächspartner beim QSO meinen Call nicht versteht und bis zur Heiserkeit „QRZ? Oscar Echo One Questionmark? Questionmark?“ ruft, antworte ich auch oft als „Oscar Echo One Sugar Chicago Sugar„, da mein „Sierra Charlie Sierra“ offenbar mehrfach nicht zu verstehen war. Aber meinen Maritime Mobile-Call 9A/OE1SCS/mm hat ein italienischer OM mit „Mickey Mouse“ (als /mm) bestätigt. Das finde ich mal wieder kreativ. Und ich muss sagen, es ist nicht so unpassend, schließlich versteht es wirklich jeder sofort.

IMG_4057Aber wir sind ja verabredet: um 17:30 Lokalzeit sollten wir auf 7.125kHz +/- unseren Freund OM Simon OE3FSS hören. Ich bin noch mit dem Abschluss eines QSOs nach SV (Griechenland) beschäftigt und drehe um 15:33 UTC auf 7.125 kHz LSB. Und da hört man auch schon Simon rufen! Und das ziemlich gut sogar, nur ein bißerl Rauschen und Knacken im Hintergrund. Gut, das Rauschen war hier im Naturpark vorher sehr gering, es schwankt zwischen S2 und S4. Wir beantworten den Ruf natürlich unmittelbar, geben 58 und bekommen 56. Simon funkt von Prottes bei Gänserndorf aus, gute 500km entfernt, mit einem Dipol (80m lang), seinem Elecraft KX3 und einer HF-Endstufe, über die er für diesen QSO ca. 150 Watt Ausgangsleistung erzielt. In Prottes herrscht zur Zeit ein Gewitter, wir vermuten, dass das Rauschen daher stammt.

OM Bernd OE1IHB, meinereiner Stefan OE1SCS, Skipper OM Florian OE3FDS
OM Bernd OE1IHB, meinereiner Stefan OE1SCS, Skipper OM Florian OE3FDS

Ein paar Minuten später übernimmt OM Florian als 9A/OE3FDS/mm und tauscht mit Simon die wesentlichsten aber weiterhin vorschriftsmäßig belanglosen Daten über die Funkverbindung aus, um dann an OM Bernd 9A/OE1IHB/mm zu übergeben.

Die Anzahl der Stationen auf 40m nimmt um diese Zeit (mittlerweile wird es 16:00 UTC) stark zu, es war ja auch zu erwarten, dass das Band um diese Zeit „aufmacht“. Die Störungen nehmen daher zu und Simon und wir werden von benachbarten Stationen immer mehr verdrängt. Bald sind nur mehr Stationen aus den üblichen Ländern mit den vielen Kilowatt-Stationen zu hören.

Auch die Situation in den anderen Bändern hat sich eher verschlechtert, 20m und 15m verschwinden immer mehr im Rauschen.

Auf 14.313 kHz erreichen wir DJ3CD, der vor allem auf Maritime Mobile-Stationen achtet, und uns die Wetterinformationen für die nächsten 24h übermittelt. Dass wir nicht alleine sind, haben wir erkannt, als uns DH6HW mit einem kurzen Zwischenruf die Windstärken in Beaufort ergänzt hat.

Nach diesen QSOs (und den Anstrengungen vom Segeln) sind wir schon etwas erschöpft und bevor wir QRT senden, rufe ich noch ein paar Mal: „See kuw See kuw See kuw de Nine Alpha Slash Oscar Echo One Sierra Charlie Sierra Maritime Mobile“ (CQ CQ CQ de 9A/OE1SCS/mm).

Hier noch ein paar Eindrücke:

IMG_4041

IMG_4030
https://de.wikipedia.org/wiki/Drei_Affen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte beantworte folgende Rechenaufgabe * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.